Bei der Osteotherapie handelt es sich um die Diagnose und Behandlung von Gelenk- und Muskelproblemen mit Hilfe verschiedener Handtechniken. Der Körper wird dabei als eine Funktionseinheit betrachtet. Alle Bereiche sind über verschiedenste Bahnen wie Arterien, Nerven, Lymphgefäße und Faszien miteinander verbunden. Dadurch können Störungen in einer bestimmten Körperpartie weitere Störungen in einem entfernteren Bereich des Organismus verursachen.

Osteotherapeuten sind auf die Analyse dieser Probleme spezialisiert. Sie stellen die korrekte Position der Gelenkflächen zueinander wieder her oder reaktivieren die Beweglichkeit einzelner Muskeln und Muskelgruppen. Nach der Behandlung benötigt das Pferd einige Wochen, um sich an die wiederhergestellte Funktionalität zu gewöhnen und körpereigene Prozesse neu in Gang zu setzen. Die Nutzung dieser „Selbstheilungskraft“ des Körpers ist ein Grundsatz der Osteotherapie.

Wie entstand die Osteotherapie?

Der Begriff Osteotherapie stammt aus dem Griechischen: „ostéon“ bedeutet „Knochen“ und „páthos“ „Leiden“. In der Umgangssprache wird häufig von Osteopathie gesprochen. Doch der Osteotherapeut verursacht kein Leiden, sondern therapiert den Patient und heilt ihn somit. Daher lautet die korrekte Bezeichnung Osteotherapie.

Die Methode hat ihren Ursprung in den USA. Der Humanmediziner Dr. Andrew Taylor Still gründete dort 1872 die erste Schule – allerdings zur Behandlung von Menschen. In die Tiermedizin hielt sie durch den Franzosen Dr. Dominique Giniaux Einzug. Der Tierarzt übertrug sein osteotherapeutisches Wissen bei der Behandlung von Menschen in den 70er Jahren auf Tiere, mit einem Schwerpunkt auf Pferden.

Parallel dazu entwickelte auch der Belgier Pascal Evrard, ein Humanphysio- und -osteotherapeut, entsprechende Techniken beim Pferd. Er lehrte sie anschließend an verschiedenen europäischen und amerikanischen Instituten.

1997 gründete Beatrix Schulte-Wien, eine deutsche Humanosteotherapeutin, in Zusammenarbeit mit Evrard die erste Schule für Pferdeosteotherapie in Deutschland unter dem Namen DIPO (Deutsches Institut für Pferdeosteotherapie). Sie ist neben der TAO-Équilibre (Tierärztliche Akademie für Osteopathie) die wichtigste deutsche Ausbildungsstätte für Pferdeosteotherapie.